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Veröffentlicht am 19.04.2017 - Leib und Seele - Kultur und Tradition

:alpenarte - Klassik neu erleben

Intern. musikalische Nachwuchselite in Schwarzenberg mit Intendant in Residence Mario Häring.

(c)Nikolaj Lund
(c)Nikolaj Lund

:alpenarte
Es ist ein ungewöhnliches Konzept, das sich Intendant Dražen Domjanić für :alpenarte, ein neues Festspiel, das in Schwarzenberg (Österreich) stattfindet, ausgedacht hat. Sein Ansatz ist - wie all die anderen Aktivitäten dieses engagierten Unterstützers von jungen Musikerinnen und Musikern - die Förderung durch Überantwortung von Verantwortlichkeiten an Musikerinnen und Musiker, die am Beginn einer aufstrebenden Karriere stehen.

So wird jeweils im April und Oktober eines Jahres einer der ausgewählten jungen Musikerinnen und Musiker zwischen 25 und 30 Jahren als "Intendant in Residence" auserkoren. Dieser muss dann die Aufgabe bewältigen, die Programme zusammenzufügen, die Musiker, mit denen er gemeinsam spielen will, zu organisieren und die gesamte Abwicklung des Festivals zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe für junge Musikerinnen und Musiker, die in der Regel noch keine organisatorischen Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt haben, sondern sich vor allem um das Vorwärtskommen auf ihren Instrumenten gekümmert haben. Sie sind es gewohnt, dass sie zu Konzerten eingeladen werden und auftreten, nachdem alles bereits von anderen organisiert wurde. Doch die Welt für junge Musikerinnen und Musiker von heute ist anders als noch vor einigen Jahrzehnten.

Ein Musiker muss heute alle Bereiche des Musiklebens (und Musikgeschäfts) beherrschen und er muss wissen, was das Publikum will und wie man Programme gestaltet, damit auch genügend Karten verkauft werden. Der erste junge Musiker, der diese Aufgabe übernimmt, ist der in Hannover geborene Pianist Mario Häring. Der 28-jährige aus einem deutsch-japanischen Elternhaus stammende Musiker konnte in den vergangenen Jahren bereits vielfach als Solist und Kammermusiker auf sich aufmerksam machen. Nun übernimmt er die Aufgabe, die erste Edition von :alpenarte zu gestalten. Wir wollten wissen, wie er sich dabei fühlt und welche Erfahrungen er im Vorfeld bereits gemacht hat. Zudem haben wir auch seine Mitstreiter zu ihrer Meinung über :alpenarte befragt.

Mario Häring
Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie von dem Konzept :alpenarte erfahren haben und Ihnen bewusst wurde, was "Intendant in Residence" eigentlich bedeutet?

Mario Häring: Meine erste Reaktion war, dass ich die gesamte Idee und das Konzept höchst interessant fand. Denn wenn man sich selbst nicht darum kümmert, bekommt man niemals einen Einblick, wie es auf der anderen Seite des Konzertbetriebs aussieht. Es ist eine wunderbare Tür, die uns da geöffnet wird, und wir können - auch ohne großes Risiko - erleben, wie es ist, selbst dafür verantwortlich zu sein, wie ein Festival auszusehen hat.

Was hat Sie dann, als Sie begannen sich einzuarbeiten, am meisten erstaunt: Die Programmgestaltung, das Denken an mögliche Kartenverkäufe oder das Organisieren der Musiker?

Mario Häring: Das Organisieren der Musiker war eigentlich gar kein großes Problem, da hatten erstaunlich viele sofort Lust dazu, dabei zu sein. Auch solche, von denen ich gar nicht erwartet hatte, dass es so leicht sein würde, sie für die Idee zu gewinnen. Das war wirklich sehr schön. Programmatisch ist es sehr spannend, da ich natürlich sehr im Klavier-Repertoire und zum Teil auch im Kammermusik-Repertoire zu Hause bin, mich aber beispielsweise mit dem Repertoire für Streichquartett und Bläser nicht so gut auskenne. Da ist es dann sehr interessant, wenn man mit den Musikern in Kontakt tritt, dass sie einem Programme und Werke vorschlagen, die einem den Horizont in musikalischer Hinsicht erweitern. Die Programmgestaltung ist für mich momentan noch der Hauptpunkt, mit dem ich umzugehen lernen muss. Denn das ist es ja, was beim Publikum am stärksten hängen bleibt und womit ich dann auch meinen persönlichen Fingerabdruck hinterlassen kann.

Man steht ja auch unter einer Art von Erfolgsdruck, aber einem anderen als dem, dem man als Musiker ausgesetzt ist.

Mario Häring: Das stimmt ... Als Pianist ist man aber ja auch immer an seiner eigenen Programmgestaltung beteiligt. Das bedeutet, dass man diese Seite schon ein bisschen kennt. Wenn man ein interessantes Programm gestaltet, kommt es auch besser beim Publikum an. Allerdings gab es interessante Gespräche mit Dražen Domjanić. Ich möchte dem Publikum immer auch gerne zeigen, dass es nicht nur das mag, was es schon kennt.

Genau diesen Erfolgsdruck meinte ich. Denn als Intendant wird man letztendlich auch daran gemessen, wie viel Publikum zu den Konzerten kommt.

Mario Häring: Natürlich, das ist ja auch in unserem Interesse seitens der Musiker, dass viele Besucher und Zuhörer kommen. Daher bin ich persönlich auch für gemischte Programme, in denen das Bekannte mit dem weniger Bekannten vermischt wird. Wobei das weniger Bekannte nicht weniger mitreißend ist. Daher verrate ich auch im Vorfeld nicht die genauen Programmpunkte, sondern gebe den Programmen bestimmte übergeordnete Themen, die das Programm widerspiegeln.

Wie versuchen Sie ansonsten das Publikum, das ja bestenfalls den 650-Plätze-Saal füllen soll, anzusprechen?


Mario Häring: Wir werden im Vorfeld mit den Musikerinnen und Musikern auch in die Schulen der Region gehen und mit den Schülern auch ein Kunstprojekt anregen. Dabei soll eine neue Geschichte zu dem Hauptwerk des letzten Konzerts, Camille Saint-Saënsʼ "Karneval der Tiere", entstehen. Diese kann dann ins Konzert eingebracht werden. So wollen wir auch die jungen Leute ansprechen, ins Konzert zu kommen, die dann vielleicht sogar ihre Familien mitbringen.

Welche Musiker haben Sie eingeladen - und wieso gerade diese Musiker?

Mario Häring: Ich habe natürlich Musiker eingeladen, die ich kenne - aber auch solche, die ich noch gar nicht kenne, von denen ich aber weiß, dass sie sehr gut sind. Natürlich habe ich mich dabei auf einen Kreis von Musikern konzentriert, die zu meinem Alter passen. Der Cellist Maximilian Hornung wird dabei sein, die Geigerin Sarah Christian von der Deutschen Kammerphilharmonie, dann der Geiger Jonian-Ilias Kadesha aus dem bekannten Trio Gaspard, der israelische Bratscher Matan Gilitchensky von der Dresdner Philharmonie, die Flötistin Barbara Chemelli aus Österreich, der Klarinettist Sebastian Manz, als Kontrabassist wird Samuel Ortega Sánchez aus Spanien dabei sein, das zweite Klavier übernimmt Boris Kusnezow und Johannes Fischer wird Schlagzeug spielen.

Das ist ja eine bunte Mischung an Nationalitäten ...

Mario Häring: Ja, das macht die Sache auch spannend, und eines der Konzertprogramme wird auch darauf abzielen, dass jeder der Musiker ein Werk aus seinem Land vorstellen wird. Zudem werden alle Programme von den Musikern moderiert. Das bedeutet, dass das Publikum auch dann einen Einblick in die Werke erhält, wenn es kein Kennerpublikum ist. Das war mir sehr wichtig. Spannend wird auch das Konzert sein, das wir "Hören-Konzert" getauft haben. Da geht es wirklich darum, dass die Zuhörer eine Augenbinde tragen sollen und sich ausschließlich auf das Hören konzentrieren müssen. Dabei wird man dann auch einige Werke hören, die man vielleicht nicht kennt oder oft hört. Aber genau darum geht es, dass man sich unvoreingenommen darauf einlässt, was man da hört. Und das Bekannte wird dann auch in einem neuen Licht erklingen.

Was haben Sie direkt am Beginn Ihrer Intendanz aus der organisatorischen Arbeit gelernt?


Mario Häring: Ich habe gelernt, dass vielbeschäftigte Musiker nicht so leicht ans Telefon zu bekommen sind oder auch nur recht langsam kommunizieren. Ich kenne das selbst: Wenn man unterwegs ist, dann hat man nicht ständig Zeit und Lust, sich mit anderen Projekten zu beschäftigen. Da muss man beharrlich bleiben - und dann kommt auch sofort viel Input. Das ist jedenfalls ein Vorurteil, das mir bestätigt wurde und bei dem man sich auch selbst hinterfragt. [Er lacht.]

Wenn Sie nun nachdenken, nachdem Sie etliche Facetten der Veranstalter-Seite kennengelernt haben: Würden Sie sagen, dass Sie auch weiterhin diese Richtung einschlagen würden, um etwas Eigenes zu kreieren?


Mario Häring: Ja, überlegt habe ich das schon. Es macht Spaß, diesen Gestaltungsprozess zu durchlaufen und sich Gedanken zu machen, wie man das Publikum dazu bewegen kann, auch ungewöhnliche Programme interessant zu finden, ohne sich selbst dabei vollkommen zu kommerzialisieren. Da ist es wichtig, dass man in der Gruppe von Musikern Ideen sammelt und nicht alles selbst entscheidet - über die Köpfe der Musiker hinweg. Also wenn ich ein eigenes Festival planen würde, dann würde ich das gerne innerhalb einer Gruppe machen. Das Gemeinsame, etwas zusammen zu schaffen, das interessiert mich.

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Steckbrief Mario Häring
Mario Häring wurde im November 1989 in Hannover geboren und wuchs in Berlin auf. Aus einer deutsch-japanischen Musikerfamilie stammend, machte er bereits im Alter von drei Jahren erste Erfahrungen auf der Geige und am Klavier und erhielt 1994 seinen ersten Klavierunterricht.

Noch vor seinem Abitur studierte er als Jungstudent bei Prof. Fabio Bidini im Julius-Stern-Institut der Universität der Künste Berlin sowie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover bei Prof. Karl-Heinz Kämmerling. Bei Prof. Karl-Heinz Kämmerling und Prof. Lars Vogt absolvierte Mario Häring auch den Bachelor-Studiengang Klavier. Seit 2014 belegt er einen Master-Studiengang für Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Musikalische Impulse erhielt der junge Pianist bereits bei zahlreichen Meisterkursen, unter anderem bei Paul Badura-Skoda, Pascal Devoyon, Anatol Ugorski, Walter Blankenheim und András Schiff. Außerdem ist er seit 2011 Stipendiat der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein und nimmt dort an den Intensiv-Wochen teil. Zudem ist er Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben und der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung. Seit 1995 gewann Mario Häring sowohl im solistischen wie auch im kammermusikalischen Bereich zahlreiche erste Preise. Nach seinem Orchesterdebüt in der Berliner Philharmonie mit den Berliner Symphonikern im Jahr 2003 folgten weitere Konzerte mit Orchester, die ihn u. a. in die Philharmonie Konstanz, ins Tokyo Metropolitan Theatre, ins Tokyo Bunka Kaikan und sechs weitere Male in die Berliner Philharmonie führten. Seine Konzerttätigkeit führt ihn außerdem immer wieder in renommierte Säle wie das Konzerthaus Berlin, die Laeiszhalle Hamburg und die Suntory Hall in Tokyo. Er war Gast bei bedeutenden Festivals wie dem Braunschweig Classix Festival, den Schwetzinger Festspielen, dem Internationalen Steinway Festival, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, dem Lucerne Festival "Ark Nova" in Matsushima, dem Kissinger Sommer und dem Kammermusikfestival "Spannungen" in Heimbach. Konzertengagements ließen ihn bereits in China, Finnland, Griechenland, Italien, Japan, Liechtenstein, Luxemburg, Namibia, Österreich, in der Schweiz, in Spanien und in den USA auftreten.

Neben Engagements mit Orchestern und als Solist widmet sich Mario Häring auch immer wieder der Kammermusik. Die Begeisterung dafür teilt er unter anderem mit dem Geiger Noé Inui, mit dem er als Duo ein Stipendium der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung erhielt und die ICMA-nominierte CD "Identity" veröffentlichte. Seine Vielseitigkeit stellt Mario Häring auch auf seiner Debüt-CD "Russian Moments" unter Beweis, auf der er ausdrucksstarke Interpretationen von Werken Rachmaninows, Prokofjews und Kapustins liefert.

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