Alptag aus Sicht einer Kuh - Tourismus Schwarzenberg

Alptag aus Sicht einer Kuh

 - Land und Leute - Kultur und TraditionVeröffentlicht am 08.09.2016

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(c)Maria Rohner
(c)Maria Rohner


Kikerikiiiiiii, kikerikiiiiiii! Häää? Es ist doch nicht einmal 4 Uhr. Der alte Hahn Emil muss wohl eine Schraube locker haben. Auch meine anderen Kuhkolleginnen werden langsam wach und wissen auch nicht so recht was jetzt passiert. Von überall kommen Schreie: "Liselotte, Liselotte, ist es heute schon wieder soweit? Ist heute der Alpabtrieb?" Ich überlege kurz und schaue zu den Grasreserven hinüber. Bis auf die heutige Tagesration ist alles leer. Die Bergkräuter auf der Weide haben wir auch schon aufgefressen. Seit gestern war es dem Alpmeister, dem Senner und den Pfistern anzumerken, dass der Alpsommer dem Ende zugeht. Sie sind mit Kübeln, Bürsten und Putzlumpen hin und her geflitzt, um die Alphütte auf Vordermann zu bringen. [Pfister sind junge Burschen und Mädchen im Jugendalter, die den Alpmeister bei seiner täglichen Arbeit unterstützen]

Es holpert und poltert, das muss Thomas der Pfister mit seinen Bregenzerwälder Hölzlar sein. [Hölzlar sind bequeme Holzschuhe, die inzwischen auch in Weltstädten anzutreffen sind] Er bringt uns immer das beste Futter. Ich weiß nicht warum, aber bei ihm schmeckt es einfach noch besser. Mit aufgeregter Stimme fragt er mich: "So Liselotte, bischt scho grüscht?". [So Liselotte, bist du schon bereit?] Jetzt können wir uns sicher sein, jetzt geht es zurück nach Schwarzenberg, hurra! Kurzdarauf stolpert auch schon Alpmeister Herbert herein, um uns 10 schöne Damen zu melken. Er macht das wie früher auf ganz traditionelle Art, von Hand. Bei ihm fühlt sich das immer wie eine Massage an. :-)

Sobald wir fertig gemolken sind, kommt schon Hannelore mit den ganzen Blumen und Kränzen durch die Türe gehuscht und hinter ihr schleppen Thomas und Franz, der andere Pfister, die schweren Glocken für uns herein. Wisst ihr, heute werden wir nämlich so richtig schön gestylt. Im Bregenzerwald ist es Tradition, dass die Kühe zur Heimkehr ganz festlich geschmückt werden. Da wir alle samt den Sommer gut überstanden haben, bekommen wir ganz besonders prunkvolle Gestecke, die unsere Köpfe schmücken. Obwohl der Schmuck an ein paar Stellen drückt, fühle ich mich dadurch wie ein Star. Alle Augen werden auf uns Kühe gerichtet sein, weil wir so hübsch aussehen. Das tollste habe ich euch aber noch gar nicht erzählt. Heuer darf ich zum ersten Mal ganz vorne laufen, deshalb bekomme ich auch die größte Glocke umgehängt.

Nachdem sich auch unsere Älpler herausgeputzt haben, geht die uns bevorstehende Wanderung los. Wir befinden uns momentan noch ganz weit weg von zu Hause, wir haben bestimmt noch einen Fußmarsch von fünf bis sechs Stunden vor uns. Erst folgen wir einem Schotterweg, wobei uns das Laufen auf dem spitzigen Kies nicht so gut gefällt, es piekst halt ein bisschen. Bevor die Alphütte nicht mehr zu sehen ist, drehe ich mich noch ein letztes Mal nach ihr um, damit ich sie während der Herbstmonaten auf dem Vorsäß nicht vergessen werde. Dabei ertönt meine wunderbare Brummel mit ihrem kräftigen Klang. [Die Brummel ist eine große Kuhglocke, die im Bregenzerwald auch zu manchen großen Festen ertönen] Noch schleicht der Nebel über die Wiesen und ganz leicht blitzt schon die Sonne hinter den Bergspitzen hervor. Im Laufschritt überqueren wir den Mellenbach die ganze Truppe hält an, um sich einen Schluck vom frischen Quellwasser zu gönnen. Weiter geht es Richtung Mellau Dorfzentrum, dort erwarten uns schon die ersten Zuschauer.

Hier ist für euch noch wichtig zu wissen, dass dieser Tag nicht nur für uns Kühe ein Besonderer ist, sondern auch für die Menschen von der Umgebung und die Urlauber, die es sich hier gut gehen lassen. Jedes Jahr wird die Zeit auf der Alpe mit dem Alptag, also der Rückkehr von der Alpe, festlich gefeiert. In den verschiedenen Ortschaften versammeln sich immer gaaaaanz viele Leute, die natürlich sehen möchten, wie es uns während des Sommers ergangen ist und ob wir gesund sind.

In Mellau stoßen wir mit den Kühen von anderen Alpen zusammen, die noch viel früher als wir losgegangen sind. Wir kennen uns teilweise schon vom letzten Jahr und erzählen uns die eine oder andere Geschichte. Meine Kolleginnen sind alle schön geschmückt, aber ich finde unseren Schmuck heuer am schönsten von allen. Es ist kurz nach 9 Uhr und bis wir in der Schwarzenberger Heimat ankommen, kann es nicht mehr sooo lange dauern. Huup, huup, ertönt von links die historische Dampflock. Hinter sich zieht das "Wälderbähnle" noch fünf Wagone voller Schaulustige, die den Alptag lieber vom Gleis aus bestaunen. [Das Wälderbähnle ist eine nostalgische Eisenbahn, die samstags und sonntags zwischen der Haltestelle Schwarzenberg (liegt im Ortsteil Bersbuch von Andelsbuch) und der Haltestelle Bezau pendelt]

Jetzt ist es nicht mehr weit, wenn ich es schon von unserer Alpe bis hier her geschafft habe, dann ist das kleine Stück bis ins Dorfzentrum von Schwarzenberg ein Klacks für mich. Man hört schon von weitem die jubelnden Menschen, die sich richtig freuen, dass wir gesund nach Hause kommen. Mit dem lauten Glockenspiel zeigen wir, dass wir uns mindestens genauso intensiv freuen in der Heimat angekommen zu sein. Auch in Schwarzenberg sind viele Menschen auf den Beinen, um uns zu bewundern. Nachdem ich die gesamte Menschenmasse erblicken konnte, sticht mir der wunderbar verzierte Dorfbrunnen ins Auge. Die letzte Erfrischung ist ja doch schon eine Weile her, also nehme ich einen riiiiiesigen Schluck. Gerade als ich meine Schnauze wieder aus dem kühlen Nass heraus nehme, ertönt ganz laut mein Name. An der Stimmlage kann ich schon erkennen, dass es mein Bauer Franz ist, der mich schon sehnsüchtig erwartet: "Liselotte, Liselotte! Ey wio schöa dassd ou wiedr dau bischt! I han de scho grüsele gmanglot!" [Liselotte, Liselotte! Es ist so schön, dass du wieder hier bist! Ich hab dich schon richtig vermisst!] Ganz behutsam nimmt er mich mit und gemeinsam machen wir uns auf den Weg in Richtung Vorsäß. Dabei prosten mir noch die Pfister Franz und Thomas, der Senner Joachim und der Alpmeister Herbert mit einem kühlen Bier zu und verabschieden sich so von mir.

Mein Bauer Franz und ich sind froh, dass wir es endlich aufs Vorsäß geschafft haben und verbringen nun die Herbstmonate auf dem Vorsäß Klausberg. Der Bregenzerwald ist bekannt für die Dreistufen-Wirtschaft dadurch schmeckt meine Milch und später auch der Bregenzerwälder Bergkäse besonders herzhaft. Jetzt freue ich mich so richtig auf ein Büschel saftiges Gras. Mahlzeit!
>>Alptag 2016 - Informationen zu den Ankunftszeiten und zu den Alpen


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