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Veröffentlicht am 16.11.2016 - Land und Leute - Kultur und Tradition

Ausstellung: Faszination & Wahnsinn

Faszination & Wahnsinn. Schwarzenberg in den Jahren 1914 bis 1918

Eine Ausstellung im Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg

Öffnungszeiten für die zweite Ausstellung 1916/17

Vernissage: Donnerstag, 17. November 2016 um 19 Uhr
Ausstellungsöffnungszeiten: Freitag, 18. November 2016 von 14 bis 18 Uhr
Samstag, 19. November 2016 bis 8. Jänner 2017, 14 bis 16 Uhr, jeweils Freitag, Samstag und Sonntag
Geschlossen: 24./25./31. Dezember 2016 und 1. Jänner 2017.

Frühjahr 1917
Veranstaltung: Freitag, 10. März "Briefe aus dem Felde und von daheim" um 19 Uhr
Öffnungszeiten: Freitag, 10. März bis Sonntag, 9. April von 14 bis 16 Uhr, jeweils Freitag, Samstag und Sonntag
Finissage: Sonntag, 9. April 2017 um 15 Uhr

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In Gedenken an die Kriegsereignisse vor 100 Jahren wollen Simone Drechsel, Christian Feurstein und Johann Aberer die damaligen Geschehnisse wieder für Sie in Erinnerung rufen.

Der zweite Teil der Ausstellung schließt inhaltlich an den ersten Teil an und behandelt die Jahre 1916 und 1917. Dabei stehen immer die Schwarzenberger/Innen im Mittelpunkt. Ihre Erlebnisse, die nicht erfüllten Träume von einem schnellen Ende des Krieges und die Sorgen der Frauen und Eltern zu Hause und die der jungen Männer im Felde (an der Front), sollen der Nachwelt ein bisschen nachvollziehbar gemacht werden, in dem die Geschehnisse für die Museumsbesucher aufgearbeitet werden. Dabei stehen die Schwarzenberger Gemeindeverwaltung, Schule, Kirche und Glaube, Kriegsfinanzierung und Kriegsanleihen im Mittelpunkt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Feldpost, die das einzige Kommunikationsmittel zwischen der Heimat und der Front darstellt.

"Ich bin gesund und es geht mir gut". Der Brief war die einzige Möglichkeit mit den Lieben an der Front und in der Heimat in Kontakt zu bleiben. Blieben mal Feldpostsendungen über einen längeren Zeitraum aus, konnte die Stimmung der Soldaten leicht kippen. Wollten diese doch Nachrichten aus der Heimat erfahren. Sie machten sich Sorgen, ob die Frauen den Haushalt, die Landwirtschaft oder das Geschäft führen können. Viele Soldaten waren auch zum ersten Mal so weit von der Heimat entfernt und wollten ihre neuen Eindrücke von der Gegend, dem Soldatenleben und vor allem ihren Gesundheitszustand mit den Angehörigen zu Hause teilen. Der Bedeutung war sich auch die Oberste Heeresleitung bewusst. Daher wurde das Möglichste versucht, um den Briefaustausch aufrecht zu erhalten.

Feldpostzensur: Zu Beginn des Krieges unterlag die Feldpost einer totalen Zensur und zu diesem Zweck wurden in allen Grenzpost- und Hauptverkehrsämtern Zensurstellen eingerichtet. In Vorarlberg befand sich eine Zensurstelle in Feldkirch und eine in Bregenz. Briefe von der Heimat an die Front unterlagen keiner Zensur. Doch wurden die Frauen angehalten keine Jammerbriefe an die Soldaten zu schreiben. Was durften die Soldaten nicht schreiben? Auf keinen Fall den Aufenthaltsort. Aus diesem Grund steht in den Briefen oder auf den Karten oftmals "Im Feld, am ...". Des Weiteren durften keine Befehle in Frage gestellt werden, keine wie auch immer gearteten militärischen Informationen.

Kurznachrichten aus der Gemeinde Schwarzenberg:
25. Dezember 1916. Frohes Wiedersehen. Gingen da an einem Sonntagnachmittag ein paar gefangene Russen mit einem Militärposten von Bezau nach Schwarzenberg. Als sie nach Schwarzenberg kamen, sahen sie bei einem Bauernhause gefangene Landsleute stehen. Freundlich begrüßten sie einander mit Händewinken. Auf einmal konnten jedoch die Umstehenden bemerken, dass sowohl ein Russe von der Eskorte, als auch ein Gefangener beim Bauernhause einander starr anblickten und stehen blieben. Dann sprangen sie auf einander zu, umarmten sich und weinten vor Freude und Rührung. Die Umstehenden ahnten wohl den Zusammenhang und täuschten sich nicht: zwei Brüder hatten sich wiedergefunden, die sich seit Beginn des Krieges nichtmehr gesehen hatten. (Vorarlberger Volksblatt, 28.12.1916, S. 6)

Gold gab ich für Eisen:
Unter diesem Slogan wurde die Bevölkerung aufgerufen Gold und Schmuck abzuliefern. Als Gegenleistung wurde ein Eisenring ausgegeben. Die Ablieferung erfolgte auf freiwilliger Basis, aber durch die Ausgabe der Eisenringe wurde ein großer sozialer Druck aufgebaut. Denn gerade die ärmliche Bevölkerung besaß meist nur einen goldenen Ehering und wer diesen noch trug bzw. keinen Eisenring, der wurde als Nicht-Patriot gekennzeichnet. Schwarzenberg konnte bei der Metallsammlung vom 2. Mai 1915 ein gutes Ergebnis vorweisen. Es waren die Schulkinder, die unter Leitung des Lehrers von Haus zu Haus zogen und Metall sammelten. Mit einem Handwägelchen brachten sie ihr Sammelgut zu zwei fachkundigen Männern, die das Brauchbare vom Unbrauchbaren trennten.

Kinder aufs Land:
In Schwarzenberg warben Pfarrer und Kaplan von Haus zu Haus, und so gelang es 90 erholungsbedürftige Dornbirner Kinder auf 3-6 Wochen bei Bauern unterzubringen. Manche blieben bis im Herbst. Die Erfahrungen, die wir bei dieser Aktion machten, waren verschieden. Es gab angenehme und bittere: wie es ja auch gute und verdorbene, bescheidene und anmaßende Kinder und Eltern gibt.

Glaube und Kirche:
Gerade in Krisenzeiten brauchen die Menschen etwas, an das sie glauben können und das ihnen Halt gibt. In dieser Extremsituation bot die katholische Kirche den Menschen einen sicheren Ort. Hier war noch alles beim Alten. Da die Kirche aber stark mit dem Herrschhaus verbunden war, hörten die Menschen an den Sonntagen stark patriotische Predigten von den Pfarrern, die den Krieg und dessen Beweggründe gegen "Andersdenkende" verteidigten. Kirche und Bevölkerung mussten zahlreiche, kriegsbedingte Opfer bringen. Besonders hart traf es die Bevölkerung und die Kirche mit der Abgabe der Glocken. Am 25. Oktober 1916 erhielt die Pfarre Schwarzenberg die Bestätigung vom k. u. k. Militärbauabteilung des Militärkommandos Innsbruck, dass die zwei Glocken korrekt abgegeben wurden. Die beiden Glocken hatten ein Gesamtgewicht von 2169 kg und erbrachten einen Gesamtbetrag von 8676 Kronen.

Vom Volk erwirtschaftetes Geld: (Geldthesaurierung)
Gerade die ländliche Bevölkerung hatte auf Grund der hohen Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und der Barbezahlung bei der von der Militärverwaltung requirierten Viehbeständen und Gerätschaften viel Bargeld in den Häusern. Die Gemeindeverwaltungen wurden daher angehalten, den Leuten begreiflich zu machen, dass sie das Geld zu den Banken bringen sollten. Alles was nicht für den Alltag benötigt wird.

Kriegsanleihen zur Finanzierung des Krieges:
Damit die Menschen auch fleißig Kriegsanleihen zeichneten, wurde zum Teil sehr aggressiv vorgegangen. Dabei kamen Slogans wie: Habet ihr alle eure Pflicht getan? Warst du dabei? Hast du daran gedacht? Aber es muss jeder heran! Man wartet noch auf die Säumigen! zum Einsatz. Diese Art der Kriegsfinanzierung hat nur einen Haken. Der Krieg muss gewonnen werden. Denn nur mit den zu erwartenden Kriegsreparationen der unterlegenen Mächte wäre die Monarchie überhaupt in der Lage gewesen, die Gelder zurück zu zahlen. Viele Städter zogen aufs Land hinaus, in der Hoffnung, dort etwas Essbares zu bekommen. Denn dort sah die Situation etwas besser aus. Dazu kam noch eine Energiekrise. Es war kein Heizmaterial mehr zu bekommen und viele erfroren in diesem Winter oder kamen vor Hunger um. Teilweise schickten Soldaten Essenspakete nach Hause. In dieser Notsituation kam es nicht selten vor, dass Städter in den Bregenzerwald reisten und dort Gemüse, Holz, Butter usw. zu überhöhten Preisen kauften. Wer dies tat, riskierte eine empfindliche Strafe, denn die Höchstpreise durften nicht überschritten werden.

Most statt Wein:
Anstelle des Biers trat der Most. Obst war 1916 reichlich vorhanden und so wurde viel gemostet, auch privat. Zwar gab es noch den Wein. Doch der war vielen einfach zu teuer. Ein Viertel kostete zwischen 1,30 und 1,50 Kronen. Anfänglich beklagten viele, dass sie mit dem Most keinen Rausch bekommen würden, doch mit der Zeit stellten sich auch diese wieder ein. Denn die Bauern kamen zu immer mehr Geld und Gewohnheitstrinker trinken auch, wenn das Viertel Wein 5 Kronen kostet. Zuerst schimpft man, dann trinkt man.

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