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Veröffentlicht am 08.06.2018 - Land und Leute - Kultur und Tradition

Bei Heidi in den Bergen

Zu Besuch auf der Alpe Unterdiedams bei Familie Schweizer.

Eine sanfte Brise der kristallklaren Luft kitzelt auf der Haut und die idyllische Landschaftsszenerie sticht eindrucksvoll ins Auge. Der nahezu strahlend blaue Himmel ist mit Föhnschlieren geschmückt, die sich als kunstvolle Muster am Himmelszelt zu erkennen geben. Draußen am Horizont, getrennt durch ein breites Tal, türmen sich die die Berge auf, angefangen von der Üntschenspitze über die Juppenspitze, Mohnenfluh und den Mohnensattel sieht man sogar noch den Gipfel des höchsten Berges des Bregenzerwaldes, die Braunarlspitze.

Hier auf der anderen Seite des Tales, ebenfalls am Berg, residieren allerart Paarhufer. Genüsslich fressen sie die besten Bergkräuter von den saftig grünen Wiesen. Währenddessen geben sie mit ihren Kuhglocken ein Konzert, das mit dem Summen der Bienen, dem Zwitschern der Vögel und anderen wundervollen Klängen stimmungsvoll begleitet wird. Es ist ruhig, keine Hektik, alles hat Zeit und man ist mutterseelenallein. Es ist wie bei Heidi und ihrem Großvater auf der Alm in den Schweizer Bergen. Wie es der Zufall so will, ist es gar nicht so weit bis zur Heidi. Unterhalb der Mittelstation der Bergbahnen Diedamskopf auf Schoppernauer Gemeindegebiet befindet sich die Alpe Unterdiedams, wo Familie Schweizer aus Schwarzenberg über den Sommer lebt. Heidi und ihr Mann Johann haben die Sennalpe vor fünf Jahren gepachtet. Sohn Tobias erlernte daraufhin in einem Sennerkurs die Kunst der Käseherstellung.
Neben Senner Tobias, den Pfistern Jonas und Michael sowie Köchin Carolin leben noch 45 Kühe, 14 Rinder, 8 Kälber, 28 Schweine, 5 Hühner, Hahn Gustl und Katze Lucy auf der Alpe Unterdiedams.

Liebe Carolin, lieber Tobias, lieber Jonas und Michael, was macht das Alpleben für euch aus?
Es ist ganz anders wie man es sich vorstellt. Viele stellen sich das Alpleben als sehr idyllisch, ruhig und vielleicht sogar langweilig vor. Aber wenn das Alpleben eines nicht ist, dann ist es langweilig. Jeder, der schon einmal auf einer Alpe war, weiß, welch harte, vielseitige und vor allem verantwortungsvolle Arbeit hier zu leisten ist. Das wichtigste auf der Alpe ist, dass sich die Leute untereinander gut verstehen. Immerhin sind wir 120 Tage mehr oder weniger ständig zusammen. Dass man hier und dort nicht immer einer Meinung sein kann, ist (glaube ich) selbstverständlich. Aber mit Schokolade kann man vieles wieder in Ordnung bringen. Auf der Alpe brauchen wir viel Süßigkeiten vor allem Schokolade. Letztes Jahr haben wir bestimmt 15 Kilo Schokolade gegessen.

Welche Aufgaben gibt es auf der Alpe?
Also, ich als Senn bin der erste, der morgens so gegen fünf Uhr aufsteht. Draußen ist um diese Zeit alles noch friedlich und meistens sind am Horizont überwältigende Lichtschauspiele zu bewundern. Ich gehe gleich in die Sennküche und rahme als erstes die Milch ab. Aus dem abgeschöpften Rahm wird Butter gemacht. Während sich die anderen noch ein letztes Mal im Bett umdrehen wende ich die Käselaibe vom Vortag und bereite alles fürs Käsen vor. Mit der Zeit kehrt wieder Leben in die Alpe ein und auch die anderen finden den Weg aus dem Bett in den Stall. Für sie heißt es jetzt Kühe melken. Wenn man ein bisschen Glück hat, kann man während dem Melken sogar den Sonnenaufgang miterleben. Dann dürfen die Kühe, allen voran die alte dänische Glory auf die Weide zum Grasen. Danach misten Michael und Jonas zusammen den Stall aus und heute kommt auch Köchin Carolin zum Zug. Sobald die Kühe gemolken sind, beginne ich mit dem Käsen. Im Kupferkessel erhitze ich langsam die frische silofreie Milch, gebe Milchsäurebakterien gemischt mit Wasser hinzu und labe die Milch anschließend ein. Die Milch braucht jetzt circa eine dreiviertel Stunde bis sie eingedickt ist. In der Zwischenzeit gehen wir alle gemeinsam an den Frühstückstisch und stärken uns mit unseren selbstgemachten Produkten für den Tag. Wenn die Milch gestockt ist, schneide ich den Bruch mit der Harfe. Im Kessel hat es jetzt 52 Grad. Perfekt um den Käse auszunehmen. Die Käselaibe werden gepresst - das ist der wichtigste Teil bei der Käseherstellung, ein Fehler und der Käse wird brüchig. Nachdem die Senn- und Stallarbeiten getan sind, ist es Mittagszeit und Carolin verwöhnt die ganze Alpmannschaft mit selbstgekochten Schmankerln. Am Nachmittag werden anfallende Arbeiten erledigt, wie zum Beispiel Wäsche waschen außerdem muss die Weide gepflegt und die Käselaibe müssen gewendet und ebenfalls gepflegt werden. Wenn hier einmal Wanderer vorbei kommen und eine Rast einlegen, werden diese mit unseren Alpprodukten versorgt. Am späteren Nachmittag gibt es eine kleine Jause für uns und dann wenden wir uns schon wieder den Tieren zu. Denn die haben in der Zwischenzeit bestimmt auch Hunger bekommen, also streuen wir ihnen Futter ein, das sie nach dem Melken genießerisch verputzen dürfen. Am Abend gegen halb acht essen wir nochmal eine Kleinigkeit und sitzen gemütlich zusammen, musizieren und lassen den Tag langsam ausklingen. 


Wie funktioniert bei euch das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier?
Bei uns stehen die Tiere an erster Stelle. Erst wenn wir wissen, dass es den Tieren gut geht, kümmern wir uns um die Weiden, den Käse und um den Haushalt. Bevor wir die Alpe Unterdiedams gepachtet haben, waren unsere Kühe auf unterschiedlichen Alpen verteilt. Seit fünf Jahren bleibt die Herdenstruktur auch den Sommer über gleich, was wiederum den Zusammenhalt der Tiere enorm stärkt. Dadurch können wir uns selbst um unsere Kühe kümmern und sie müssen sich nicht an komplett neue Menschen gewöhnen.

Wie könnt ihr euch all die Namen von euren Tieren merken?

Bei uns hat jede Kuh ihren eigenen Namen. Angefangen von Bella bis Gulda über Laune und Gita. Ich kenne die Kühe schon von klein auf, deshalb sehen sie für mich auch komplett verschieden aus. Für Carolin und Michael war es zu Beginn gar nicht so einfach. Am leichtesten geht es, wenn man sich ein Merkmal von jedem Tier merkt. Die eine Kuh hat einen weißen Bauch und die andere hat ein großes Fleckenmuster.

Warum geht ihr jedes Jahr auf die Alpe?
Ich weiß auch nicht, das kann man gar nicht beschreiben. Irgendwann nach Weihnachten packt es mich und ich will wieder dort hinauf. Es ist eine Art "Alpfieber".

Tobias, den vorletzten Sommer hast du bei der Internationalen Almkäseolympiade in Galtür den Tagessieg und eine Goldmedaille mit deinem jungen Bregenzerwälder Bergkäse geholt. Erzähl doch mal was die Almkäseolympiade in Galtür ist.
Veranstaltet wird dieses Event von der Landjugend Galtür und jedes Jahr machen rund 150 Senner aus vier Nationen bei dieser Käseprämierung mit. Ausgezeichnet werden die besten Käse, die aus frischer Alpenmilch gekäst werden. Die Fachjury bewertet Geschmack, Konsistenz, Aussehen, Regionalität der Zutaten und Lochung der Käse. Bei diesem Andrang ist es schon ein Wahnsinn den Tagessieg und eine goldene Medaille zu holen.

Am Wochenende bietet ihr ein Alpfrühstück an, was macht das so besonders?
Am Wochenende müssen alle zusammenhelfen. Da kommen auch meine beiden Schwestern herauf und helfen wo sie können. Den Gästen tischen wir eine große gemischte Platte auf, worauf unser Bergkäse und ein Bregenzerwälder Schnittkäse sowie Landjäger und verschiedene Würste Platz finden. Außerdem machen wir am Morgen einen luftigen Hefezopf und auch ein Trinkjoghurt mit saisonalen Früchten aus der Region. Neben frischem Brot vom Bäcker machen wir einen traditionellen Riebel. Selbstgemachte Aufstriche und selbstgemachte Marmelade dürfen bei keinem Frühstück fehlen. Den krönenden Abschluss macht ein Stamperl Schnaps aus eigener Erzeugung. Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass unsere Gäste, die zum Alpfrühstück kommen nur erstklassige Produkte bekommen und das wissen sie auch zu schätzen.

Auf was freut ihr euch am meisten, wenn der Alptag immer näher rückt?
Ich für meinen Teil freue mich am meisten aufs Ausschlafen. Hier oben haben wir immer etwas zu tun und wir können nicht einfach einen Tag frei nehmen. Das würden uns die Tiere nie verzeihen. Deshalb freue ich mich auch auf einen Tag ohne Verpflichtungen. Einfach mal ein Tag Pause machen. Das ist das schönste nach einem wunderschönen aber anstrengenden Alpsommer im Bregenzerwald.
Ein wirklich unbeschreiblicher Fleck Erde. Wer hier die Stimmungen der Natur erleben darf, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einfach unglaublich.

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