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Veröffentlicht am 22.12.2017 - Land und Leute - Leib und Seele - Kultur und Tradition

Heiligabend aus Sicht einer Schwarzenbergerin

Heiligabend aus Sicht der Schwarzenbergerin Katharina M.

Endlich ist der langerwartete 24. Dezember, Heiligabend, da. In den frühen Morgenstunden merken "Mamma" und "Dätta" (Dialekt für Mama und Papa) von dem ganzen Weihnachtswirbel noch ziemlich wenig. Wir Kinder schlafen noch und kriechen trotz Vorfreude frühestens um 9 oder 10 Uhr aus den Betten, schließlich wissen wir genau, was vor dem schmackhaften Essen und den Geschenken noch auf uns wartet:

Die alljährliche Putzaktion vor Heiligabend. Normalerweise staubsaugen wir das Haus am Tag vor Heiligabend alleine, aber dieses Jahr fällt der 24. Dezember auf einen Sonntag und unsere Mamma muss mal nicht bis 16 Uhr am Nachmittag arbeiten. Nachdem in Teamwork das Haus geputzt und für die Verwandtschaftsbesuche der nächsten Tage hergerichtet wurde, stellt unser Dätta den Christbaum in der Stube (Dialekt für Wohnzimmer) auf. Diesen hat er selber an einem Tag mit gutem Mondzeichen im eigenen Waldstück gefällt. Wie jedes Jahr ist dieser jedoch zu groß und es werden wie jedes Jahr Witze gerissen, ihn oben anstatt unten abzuschneiden.

Das Christbaumschmücken und Herrichten der Krippe wurde in unserer Familie schon vor vielen Jahren den Kindern als Aufgabenstellung aufgetragen. Traditionell wird bei uns beim Bau selbst oder beim Herrichten der Krippe Moos verwendet, deshalb sammeln wir dieses immer einige Tage zuvor im benachbarten Wald. Bei unserer Krippe dient das Moos als weiche Unterlage für die Schafhirten und deren Vieh. Unsere schöne Holzkrippe wurde vor einigen Jahren von unserem Dätta selbst gemacht und alle Figuren stammen vom Schwarzenberger Holzschnitzer Josef Kohler. Die Anzahl der Figuren wächst jedes Jahr beim Schwarzenberger Adventmarkt um eins. Da man jedoch keine zwei Jesukinder oder zwei Ochsen brauchen kann, sind es jedes Jahr Schafe und Hirten und naja... einige Hirten haben wir schon doppelt und ein Schaf sogar dreifach. Eine schöne Tradition ist es trotzdem.

Beim Verteilen der Lichterkette wird trotz jahrelanger Christbaumschmücken-Erfahrung die Hilfe vom Dätta benötigt, weil sonst sicher irgendein Tannenzweig unbeleuchtet bleibt. Es folgen einige Minuten mit purem Weihnachtskitsch, da während dem Christbaumschmücken lautstark Weihnachtslieder aus dem Radio klingen und wir freudig (und etwas schief) mitsingen.

Leider ist das Christbaumschmücken viel zu schnell erledigt und es folgen ungeduldige Stunden des Wartens. Eine kleine Ablenkung liefert das Vorbereiten des Abendessens, aber so spannend und unterhaltsam ist das Köcheln des Sauerkrautes dann auch wieder nicht. Das Zusammenstellen des Keksteller ist da schon begehrter, aber sind wir ehrlich, niemand kann einen großen Keksteller voll mit nach Zimt, Vanille, Kokos und Schokolade duftender Kekse vorbereiten, ohne dass ein paar "Keksle" im Mund verschwinden.

Das anfängliche Dämmern verwandelt sich immer mehr zur Nacht und läutet somit still und leise die Zielgerade der weihnachtlichen Vorbereitungen ein. Der Tisch ist gedeckt, der Christbaum geschmückt, das Sauerkraut warm, die Bratwürste ziehen im Wasser, wir sind alle hungrig, jetzt fehlt nur noch ein wichtiger Brauch, nämlich das Weihräuchern des Hauses. Bei uns übernehmen das unser Dätta und ich. Unser Dätta füllt eine alte Pfanne mit glühender Kohle und streut einige Körner Weihrauch darüber bis es ordentlich zu rauchen beginnt. Damit geht er nun durch jedes Zimmer des Hauses, dazu zählen bei uns auch die Autos, der Stall, die Garage und das Heulager. Dabei gehe ich mit einer Tasse voll Weihwasser und einem kleinen Ast des Christbaums hinter ihm her, tauche das Ästchen ins Weihwasser, mache damit drei Kreuze in der Luft und sage "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes Amen". Der Brauch soll das Haus von bösen Geistern reinigen und für gute Geister oder auch für das Christkind zugänglich machen. Leider geht der Brauch des Weihräucherns in immer mehr und mehr Familien verloren. Für uns ist jedoch ohne das Weihräuchern nicht richtig Weihnachten, da neben dem christlichen Aspekt, ohne den Weihrauchduft in der Luft, einfach etwas Wichtiges fehlt.

Schließlich landen die Bratwürste in der Pfanne und das Festessen kann beginnen. Bratwurst und Sauerkraut ist ein weiterer Brauch, der stark vom Aussterben bedroht ist, da viele Familien Raclette, Fondue oder andere Klassiker bevorzugen bzw. ihnen Bratwurst möglicherweise zu wenig festlich ist. Wir sind jedoch so vernarrt in das traditionelle Weihnachtsessen, dass wir uns regelrecht überessen. Der Rekord von meinem Bruder sind 6 Paar. Ich erliege bereits nach 1,5 Paar dem Futterkoma.

Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben und eigentlich auch zufrieden ein Nickerchen machen könnten, verschwindet unsere Mamma auf einmal ins "Gadô" (Dialekt für Elternschlafzimmer). Zufälligerweise muss sie auf dem Weg ins Gadô durch die Stube hindurch und schließt auch die "Stubentüre" hinter sich. Am Esstisch plaudern wir währenddessen über das Essen, wie gut die Bratwürste dieses Jahr waren, wie köstlich das Sauerkraut und wie knusprig die Röstzwiebeln.

Unsere Unterhaltung wird nach einigen Minuten von einem hellen Glöckchen unterbrochen. Das Christkind war da! Die Jüngsten stürmen als erste los in die Stube, wo die Geschenke, der wunderschön funkelnde Christbaum, die Sternspritzer und die Weihnachtslieder-CD von der Tatsache ablenken, dass die Mamma ja eigentlich das Christkind gesehen haben müsste. Bevor nun jedoch das Geschenkechaos ausbricht, stehen wir alle schön versammelt vor dem Christbaum und singen Weihnachtsklassiker wie "Leise rieselt der Schnee", " Oh Tannenbaum" und natürlich "Stille Nacht".

Nachdem sich jeder frohe und schöne Weihnachten gewünscht hat, werden die Geschenke ausgepackt. Das Christkind hat ordentliche Arbeit geleistet und mit seinen Geschenken genau ins Schwarze getroffen. Jedoch ist der Trubel um die Geschenke schnell wieder vorbei und man versammelt sich erneut beim Esstisch. Offiziell gibt es jetzt zum ersten Mal dieses Jahr Weihnachtskekse. Die im Advent verputzen Kekse waren schließlich immer nur Kostproben, ob die Kekse auch sicher noch gut schmecken und nicht schlecht geworden sind. Aber den von Mamma selbstgemachten Vanillekipferl, Zimtsternen, "Anislöble", Kokosbusserl, Linzer Augen, Husaren, und und und, kann man schließlich auch nicht widerstehen.

Langsam legt sich eine Ruhe über die ganze Familie. Wir Kinder spielen entweder mit unseren Geschenken, lesen ein Buch oder wandern still und heimlich in Richtung Fernseher. Zum Abschluss des Abends steht jetzt noch die Weihnachtsmette an. Wir können selber entscheiden, ob wir lieber in die Weihnachtsmette gehen möchten oder morgen am Weihnachtstag in die Kirche. Die anderen entscheiden sich für die Messe am nächsten Tag, doch ich gehe wie letztes Jahr zusammen mit unserem Dätta schon heute Abend. Mamma bleibt auch daheim, da sie vermutlich in der Kirche einschlafen würde.

Für Dätta und mich ist es jetzt eh schon Zeit sich "grùscht zum machô" (Dialekt für sich bereit machen, herrichten). Selbst wenn der Winter zur Weihnachtszeit noch milder ist, sollte man ohne dicke Winterjacke, Handschuhe, Mütze und warme Schuhe lieber nicht in die Weihnachtsmette gehen, weil es kann nachts sehr kalt in der Kirche werden und wenn man friert, kann man die Weihnachtsmette nicht richtig genießen. Dätta wartet schon ungeduldig im Auto - ich muss jetzt los, aber ich hoffe euch hat es gefallen uns durch den 24. Dezember zu begleiten.

Vielen Dank fürs Lesen und wir vom Tourismusbüro Schwarzenberg
wünschen Ihnen ein frohes Fest und schöne Feiertage!

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