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Veröffentlicht am 17.10.2018 - Land und Leute - Leib und Seele - Kultur und Tradition

Was für eine Nacht!

Die Lange Nacht der Museen am 6. Oktober 2018 im Angelika Kauffmann Museum

Was für eine Nacht! Um 18 Uhr öffnete das Angelika Kauffmann Museum für Nachtschwärmer aus Nah und Fern seine Tore und zahlreiche kunstsinnige, historisch interessierte, unterhaltungssuchende, Jung und Alt machten in dieser Langen Nacht der Museen einen Abstecher nach Schwarzenberg.

Das über 450 Jahre alte Bregenzerwälderhaus strahlte mit alten Petroliumlampen behängt eine urige, gemütliche und vor allem heimelige Atmosphäre aus. Gerade recht um es sich in der alten Stube gemütlich zu machen, ein Tässchen Kaffee zu trinken und den wunderbar duftenden, selbstgemachten Kuchen zu genießen. Barbara und Elfi sorgten mit Gitarre und Gesang für die gute Stimmung und gaben ein schönes Wälderlied nach dem anderen zu ihrem Besten. Zwischendurch sollte Mann und Frau ja auch noch etwas von der aktuellen Ausstellung erfahren. Dafür sorgten Roswitha und Marianne mit ihren Geschichten und Erzählungen aus dem Leben von Heimarbeiterinnen aus dem Bregenzerwald, denn die Ausstellung "Heimarbeit. Wirtschaftswunder am Küchentisch" hat doch einige bewegende, tragische und auch lustige Geschichten hervorgebracht. Wie z. B. diese kleine Erinnerung aus dem Jahr 1957/58 zur Selbstbestimmung der Frau:
"Um unser Haus in Schwarzenberg nicht leer stehen zu lassen, hat meine Mutter das Haus an eine ledige Frau (ca. 40 Jahre alt) umsonst vermietet. Ich war damals etwa 8-10 Jahre alt. Die Barbara, so war ihr Name, hat Heimarbeit gemacht - und zwar hatte sie eine Stickmaschine in ihrem Wohnzimmer stehen. Sie war immer am Heimarbeiten, wenn wir sie besucht haben. Ich habe sie dann, neugierig wie Kinder sind, einmal gefragt, warum sie denn nicht verheiratet sei. Sie hat mir geantwortet, dass sie aus einer sehr kinderreichen Familie ohne Geld komme und ihr daher nicht viel anderes übrig geblieben wäre, als einen Mann zu heiraten, der halt grad eine Magd als Frau suchte. Durch das Heimarbeiten sei sie aber in der glücklichen Lage, über sich selbst zu bestimmen und so zu leben - zwar sehr einfach - aber so, dass sie ihr eigener Herr sei."

Szenenwechsel im anderen Teil des Hauses - das alte Heimatmuseum wurde 2007 durch einen modernen Ausstellungsraum erweitert, dort wo früher der Stall war ist heute ein architektonisch interessanter und neuer Raum, in dem jedes Jahr wechselnde Ausstellungen mit original Werken der Künstlerin Angelika Kauffmann (1741-1807) gezeigt werden. Die Künstlerin hat einen engen Bezug zu Schwarzenberg, ihr Vater stammt von hier und sie hatte zeitlebens eine enge Verbindung zu ihren Verwandten im Dorf. Bernadette und Edith, unsere erfahrenen Kulturvermittlerinnen, führen die Besucher durch die Ausstellung und erzählen von Angelika, ihrem Leben und ihrer Kunst. Dieses Jahr widmet sich das Museum den Männern, die sie porträtiert hat. Unter dem Titel "Er ist wer. Männerporträts von Angelika Kauffmann" sind Originalgemälde, vorwiegend Leihgaben aus großen Museen und Privatbesitz aus ganz Europa, zu sehen. Einer der wohl wichtigsten Männer in Angelikas Leben steht am Anfang der Porträtserien: Ihr Vater, der Schwarzenberger Maler Joseph Johann Kauffmann, der die Karriere seiner einzigen Tochter in ganz Europa stets förderte. Ausgehend von Porträts von Männern aus Angelikas Freundeskreis spannt sich der Bilderbogen vom Landammann Aberer über den König von Neapel und Sizilien und einen Maler aus Portugal bis zu einem englischen Konsul. Abseits der rein äußeren Erscheinung und Inszenierung von gesellschaftlichem Status, wollen die Gemälde auch den wahren Charakter und das innere Wesen der porträtierten Männer abbilden. Dies war Angelika in der Porträtmalerei stets ein Anliegen, die Seele, das Empfindsame, besonders in ihren vielen Freundschaftsgemälden zum Ausdruck zu bringen.

Schüler des Borg Egg beschäftigten sich ebenfalls mit dem Thema Porträt, dem Verhältnis zwischen Malerei, Foto und Video, genauer gesagt ging es um das "Still sitzen". Gar nicht so einfach, aber passte sehr gut zu den Kunstführungen rund um Angelika Kauffmann. Die Mädchen saßen über eine halbe Stunde "still", im ganzen Raum verteilt, eine interessante Ergänzung und ein besonderes Erlebnis! Und worum es bei dieser Performance genau ging, beschreibt eine Schülerin mit diesen zwei Sätzen:
"So ist das Filmen eines sich "nicht" bewegenden Menschen dem malerischen Porträt viel näher als das Fotografieren. Das Foto nimmt nämlich nur einen einzigen Moment auf, das malerische Porträt hingegen entsteht aber über einen längeren Zeitraum, aus vielen Momenten und wird so zu einem Werk, welches, wie der Film, den Aspekt der Veränderung miteinbezieht."
Zitat von Julia Jackel, an "Still sitzen" beteiligte Schülerin des BORG Egg

Insgesamt also eine wirklich tolle Sache, die Lange Nacht der Museen, um nur €15,-- können insgesamt 89 Museen und Galerien in Vorarlberg, der Schweiz und Liechtenstein bis 1 Uhr früh besichtigt werden. Shuttle Busse fahren landauf, landab und bringen die Gäste von einer interessanten Location zur anderen. Über 300 Besucher machten dieses Jahr Halt im Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg und viele davon werden wir sicher nächstes Jahr wiedersehen oder mal bei einem Besuch oder Ausflug in den schönen Bregenzerwald begrüßen dürfen.

www.angelika-kauffmann.com

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